Neuseeland, Patagonien, Lappland

Mehr Sicherheit beim Wandern mit Fernweh Trekking

 
Padjelantaleden, Lappland, August 2015:

Nach einer langen Trockenperiode hatte es die gesamte Nacht über heftig geregnet. Auch am frühen Morgen zum Aufbruch der meisten Wanderer regnete es noch Bindfäden. In den Bergen waren überall Wasserfälle und Rinnsale entstanden. Keine davon waren am Vortag zu sehen gewesen. Es stand jedoch nur ein kurze Etappe an, also entschied ich mich dennoch zu starten und zu schauen wie weit ich kommen würde.

Flussbett auf dem PadjelantaledenBereits nach weniger als einem Kilometer stand ich vor einem tosenden, schlammigfarbenen Wasserlauf, welcher das Weiterkommen versperrte. Das ca. 5m breite Flussbett war sehr uneben und ziemlich steinig. Ich konnte die Steine rollen hören. Das knietiefe Wasser hatte eine unglaubliche Kraft und Geschwindigkeit. (Das nebenstehende Foto zeigt das Geröllbett am nächsten Morgen. Kaum zu glauben aber wahr - wo sich am Vortag noch die Sintflut ergoss, lief dann kein Tropfen Wasser mehr.)

Drei schwedische Wanderer - ein Mann und zwei Frauen - kamen unmittelbar nach mir an die Stelle. Allesamt suchten wir nach alternativen, flacheren Stellen zur Durchquerung, wurden aber nicht fündig. Der Schwede ließ sich aber nicht von seinem Wanderplan abbringen und versuchte sein Glück. Regelmäßig wurde ihm beim Eintauchen des Fußes fast das gesamte Bein weggezogen. Hätte er seine Balance verloren, die Wassermassen hätten ihn sicher mitgerissen. Irgendwie schaffte er es dann tatsächlich irgendwann auf die andere Seite und forderte die Frauen mit einem machohaften Handwink auf ihm zu folgen. Während seine Frau ohne großes Zögern folgte, war der Bekannten sichtbar unwohl bei der Situation. Zum Glück (!!) gelang es beiden Frauen die andere Seite ebenfalls relativ unbeschadet zu erreichen.

Ich hingegen entschied mich zur Rückkehr zur sicheren Hütte, denn nach meiner Einschätzung war die Durchquerung lebensmüde. Zurück in der Hütte wartete ich bis zum nächsten Morgen ab und hatte genügend Zeit das Geschehene zu rekapitulieren und für mich die Lehren daraus zu ziehen. Hier schoß ich dann unmittelbar neben der Hütte ein Video , welches einen der vielen übergetretenen Bachläufe zeigt.

Schneebrücke auf dem PadjelantaledenIch erhebe ausdrücklich nicht den Anspruch, dass mein Entschluss zur Umkehr das einzig Vernünftige gewesen sei. Jeder schätzt Gefahren unterschiedlich ein. Vielmehr habe ich sieben Tipps zusammengestellt, wie Sie auf Ihrer Trekkingtour sinnvollere, bedachtere Entscheidungen auf Basis Ihres persönlichen Risikoverständnisses treffen können:



1. Rechnen Sie mit unvorhergesehenen Wetterkapriolen oder anderen Behinderungen und bauen einen gewissen Puffer in ihren Wanderplan. Stricken Sie Ihre Pläne nicht zu eng und nehmen sich zu viel vor. Starten Sie Ihre Tagesetappe rechtzeitig am Morgen. So sind sie nicht nur für ähnliche Situationen gewappnet, sondern können Ihre Wanderung durch mehr Flexibilität und Spontanität noch mehr genießen.


2. Halten Sie einen Plan B bereit. Informieren Sie sich über mögliche Abbruchoptionen vom Track und tragen stets Ausrüstung für eine Notbehausung mit sich. Willy Millowitsch hat mal gesagt: "Improvisation ist die Kunst, etwas Unbeabsichtigtes gut vorzubereiten."


3. Streichen Sie das Wort „müssen“ in Ihrer Planung. Akzeptieren Sie, dass sie manchmal nur reagieren statt agieren können.


4. Seien Sie sich darüber bewusst, dass Ihre Risikoeinschätzung durch bestimmte Rahmenbedingungen beeinflusst werden kann. Viele Gründe können dazu führen, dass sie andere Entscheidungen treffen als unter normalen Umständen. Vielleicht verpassen Sie Ihre Fähre, wenn Sie den Fluss nicht durchqueren. Oder Sie sind schon mehrere Tage unterwegs und fiebern einem Highlight entgegen. Oder Sie wollen in der Gruppe nicht als Bremse dastehen. Oder, oder, oder … . Nichts ist aber so viel wert wie Ihre Gesundheit und Ihr Leben. Versuchen Sie also, externe Einflussfaktoren bei der Beurteilung der Lage so weit wie möglich auszublenden. Haben Sie den Mut wenn nötig umzukehren.


5. Nehmen Sie sich (falls möglich) die Zeit zur Lageeinschätzung. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und alle Pro und Contra gegeneinander abzuwägen. Panik und unüberlegtes Handeln sind schlechte Ratgeber.


6. Drängen Sie keine Mitglieder Ihrer Wandergruppe. Eine Gruppe ist immer so stark wie das schwächste Glied - nichts Neues an sich. Machogehabe ist hier fehl am Platz. Respektieren Sie, dass Menschen Risiken unterschiedlich bewerten.


7. Vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Ihr Bauchgefühl wird Ihnen ziemlich gut verraten, wie Sie sich verhalten sollten. Verwechseln Sie jedoch nicht Gefahrenzone mit dem Verlassen Ihrer Wohlfühlzone, das lohnt sich nämlich. Zugegeben, der Grat zwischen beiden ist manchmal sehr schmal.

 

 

 

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