Neuseeland, Patagonien, Lappland

Infoblog – Wandern und Outdoor von Fernweh Trekking

 
Unter der blog-ähnlichen Rubrik "Infos" finden Sie regel­mäßig Beiträge zu interessanten Dingen und Neuig­keiten rund um das spannende Thema Trekking und Outdoor. Schauen Sie doch am Besten immer mal wieder rein.

Nachfolgend sind alle Beiträge in chrono­logischer Reihen­folge aufge­führt. Möchten Sie nur Beiträge zu einzelnen Themen­gebieten lesen, dann können Sie unter dem Menu­punkt "Infos" nach den für Sie interessanten Bereichen filtern.

 

 

Das Netz ist voll mit Hitlisten wie „10 Tracks in Neuseeland die Du gemacht haben musst“ oder „Die 10 schönsten Wanderungen Patagoniens“ … Ihr kennt das. Was ich von solchen Hitlisten halte, hier meine Gedanken dazu:



14.000 Kilometer lassen sich schwer auf 10 Wanderrouten verkürzen.

Am Beispiel Neuseeland wird besonders deutlich, wie schwer oder gar unmöglich es oft ist, eine Aus­wahl an Wander­wegen zu finden, die der unglaublichen Viel­falt der Wander­regionen über­haupt gerecht werden kann. Das merke ich auch bei meinen vor­bereitenden Recherche­arbeiten meines neuen Neuseeland-Wanderführers für den Conrad Stein Verlag (Veröffentlichung 2018). 20 bis 24 Tages­wanderungen oder Overnight-Trips, und dabei ein gute Mischung zu treffen - das gleicht der Quadratur des Kreises.



Sport, Abenteuer oder Freiheit?

Jeder hat andere Vor­stellungen davon, wie eine perfekte Wander­tour sein sollte. Der eine wünscht sich atem­beraubende Panorama­blicke, ein anderer kann bei einer Wanderung durch den Regen­wald richtig runter­fahren. Der nächste will sich einfach mal richtig auspowern und geht gerne an seine Grenzen. Wir sind alle individuelle Wesen und doch treffen sich gefühlte 95 Prozent auf den gleichen Routen, was mich zum nächsten Punkt bringt.



Ameisenstraßen!

Das Internet verstärkt Trends und das ist meiner Meinung nach gerade auch bei der Wahl der Wander­wege so. Wenn ein Track viele Wanderer anzieht (wie z.B. der Tongariro Alpine Crossing in Neuseeland mit bis zu 2.000 Wanderern pro Tag), dann gibt es auch viele Berichte, Fotos und Videos im Netz darüber. Folglich werden logischer­weise bei der Suche nach geeigneten Wanderungen die bekannten Tracks viel häufiger auf­gefunden. Das Ergebnis sind „Ameisen­straßen“ – obwohl manchmal unmittelbar nebenan ähnlich schöne Wege zum Wandern einladen, mit einem Bruch­teil anzu­treffender Wanders­leute. Diese Tracks sind natürlich viel schwerer zu finden und Infos dazu häufig in den Tiefen des Internets versteckt (oder schwirren in meinem Kopf herum).



Die rosarote Brille der Reise­verliebten.

Wer gibt schon gerne zu, dass die eine oder andere Entscheidung bei der Reise­planung doch nicht die Richtige war. Negative Aspekte werden weniger stark bewertet als die positiven Erleb­nisse. Eine tolle Sache, dieser „Confirmation Bias“ – und das meine ich nicht ironisch. Blöd nur, dass dann auch die Warnungen an die Nach­folgenden ausbleiben. Um am Beispiel Tongariro Alpine Crossing zu bleiben – vielleicht würden sich ja einige trotz der spekta­kulären Land­schaft gegen die Tages­wanderung entscheiden, wüssten sie wie geschäftig es dort zugehen kann und hätten alle Fakten vorher auf dem Tisch gehabt.



Plagiate, Plagiate.

Manchmal sieht man Listen von Wander­vorschlägen, die einfach nur irgendwo abge­kupfert wurden. Beiträge werden geschrieben um die Sicht­barkeit im Internet zu erhöhen und nicht um dem Leser einen Mehr­wert zu liefern.



Erfahrung und Fitness.

Wer fit ist wie ein Turn­schuh, dem macht natürlich eine Besteigung zum Gipfel mit 1.000 Metern Höhen­unter­schied richtig viel Spaß. Für den Unge­übten wird es besten­falls etwas unan­genehm oder gar zu Tort(o)ur. Manche Tracks ver­langen eine gewisse Erfahrung und sind für Ein­steiger ungeeignet. In der Wildnis Neuseelands gibt es jedes Jahr mehr als tausend Such- und Rettungs­einsätze, oft weil die Wanderer den An­forderungen der Tracks nicht gewachsen sind oder schlichtweg – aus mangelnder Erfahrung – unvor­bereitet starten.



Manager oder Back­packer?

Die durch­schnittliche Aufenthalts­dauer eines deutschen Neuseeland­reisenden ist 50 Tage. Verdammt lange, mag manch einer von Euch denken. Es sind vor allem die jungen Back­packer mit Working-Holiday Visum, die mit Ihren monate­langen Aufenthalten die durch­schnittliche Reise­dauer nach oben treiben. Denn immer­hin die Hälfte der deutschen Besucher kann oder möchte max. 3 bis 4 Wochen unterwegs sein (Median liegt bei 24 Tagen). Verständlich, dass bei solch relativ „kurzer“ Dauer die Auswahl der Wander­wege umso schwieriger ist. Einen „Ausrutscher“ kann und will sich nur der Back­packer leisten.



Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Was mich persönlich tat­sächlich manchmal wurmt, sind leicht­fertige Sätze wie „Warum der Kepler Track der schönste Great Walk Neuseelands ist“. Nur wenn jemand die meisten der Alter­nativen kennt, dann können Ver­gleiche ge­zogen oder Rankings er­stellt werden. Nur Wenige haben einen so guten Gesamt­überblick, um fundiert solche Ein­schätzungen zu treffen. Zugegeben, auch ich habe nicht alle Wanderungen in Neusee­land, Patagonien oder Lapp­land gemacht. Das geht auch gar nicht, dazu reicht mein Leben nicht aus (es sei denn ich steige sofort aus und wandere ab heute nur noch, was natürlich genial wäre). Seit zwei Jahren beschäftige ich mich haupt­beruflich mit dem Thema Wandern in den Traum­regionen und bereise die Gebiete intensiv und habe sie auch vorher schon besucht. Und welch Wander-Juwelen teil­weise sinn­bild­lich am Weges­rand ver­steckt sind, da ver­schlägt es mir manchmal die Sprache.



Nichts muss, alles kann.

Lasst Euch bitte niemals einreden, Ihr müsstet irgendwas sehen, sonst sei Eure Reise unvoll­ständig. Andern­falls endet Euer Trip mit so viel Erwartungs­druck in einer unsäg­lichen Hetzerei und Ihr habt zwar viel gesehen, aber nichts erlebt. Habt den Mut zur Lücke und lauft auch mal abseits der ausge­tretenen Pfade. Die Chancen stehen hoch, dass Ihr mit unver­gess­lichen Momenten belohnt werdet.



Wertvolle Impulse.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht grund­sätzlich gegen Wander-Hitlisten. Sie können wunder­volle Impulse für Eure Reise­vor­bereitung geben und lassen die Vor­freude auf Euer Abenteuer steigen. Mit den Schwach­stellen im Hinter­kopf könnt Ihr jedoch die Eignung der Tracks für Eure Bedürfnisse besser einschätzen. Wenn Ihr Unter­stützung bei der Aus­wahl der Wander­wege und Reise­route benötigt, dann lasst es mich wissen. Gerne bin ich Euch dabei behilflich.

 

 

 
Padjelantaleden, Lappland, August 2015:

Nach einer langen Trockenperiode hatte es die gesamte Nacht über heftig geregnet. Auch am frühen Morgen zum Aufbruch der meisten Wanderer regnete es noch Bindfäden. In den Bergen waren überall Wasserfälle und Rinnsale entstanden. Keine davon waren am Vortag zu sehen gewesen. Es stand jedoch nur ein kurze Etappe an, also entschied ich mich dennoch zu starten und zu schauen wie weit ich kommen würde.

Flussbett auf dem PadjelantaledenBereits nach weniger als einem Kilometer stand ich vor einem tosenden, schlammigfarbenen Wasserlauf, welcher das Weiterkommen versperrte. Das ca. 5m breite Flussbett war sehr uneben und ziemlich steinig. Ich konnte die Steine rollen hören. Das knietiefe Wasser hatte eine unglaubliche Kraft und Geschwindigkeit. (Das nebenstehende Foto zeigt das Geröllbett am nächsten Morgen. Kaum zu glauben aber wahr - wo sich am Vortag noch die Sintflut ergoss, lief dann kein Tropfen Wasser mehr.)

Drei schwedische Wanderer - ein Mann und zwei Frauen - kamen unmittelbar nach mir an die Stelle. Allesamt suchten wir nach alternativen, flacheren Stellen zur Durchquerung, wurden aber nicht fündig. Der Schwede ließ sich aber nicht von seinem Wanderplan abbringen und versuchte sein Glück. Regelmäßig wurde ihm beim Eintauchen des Fußes fast das gesamte Bein weggezogen. Hätte er seine Balance verloren, die Wassermassen hätten ihn sicher mitgerissen. Irgendwie schaffte er es dann tatsächlich irgendwann auf die andere Seite und forderte die Frauen mit einem machohaften Handwink auf ihm zu folgen. Während seine Frau ohne großes Zögern folgte, war der Bekannten sichtbar unwohl bei der Situation. Zum Glück (!!) gelang es beiden Frauen die andere Seite ebenfalls relativ unbeschadet zu erreichen.

Ich hingegen entschied mich zur Rückkehr zur sicheren Hütte, denn nach meiner Einschätzung war die Durchquerung lebensmüde. Zurück in der Hütte wartete ich bis zum nächsten Morgen ab und hatte genügend Zeit das Geschehene zu rekapitulieren und für mich die Lehren daraus zu ziehen. Hier schoß ich dann unmittelbar neben der Hütte ein Video , welches einen der vielen übergetretenen Bachläufe zeigt.

Schneebrücke auf dem PadjelantaledenIch erhebe ausdrücklich nicht den Anspruch, dass mein Entschluss zur Umkehr das einzig Vernünftige gewesen sei. Jeder schätzt Gefahren unterschiedlich ein. Vielmehr habe ich sieben Tipps zusammengestellt, wie Sie auf Ihrer Trekkingtour sinnvollere, bedachtere Entscheidungen auf Basis Ihres persönlichen Risikoverständnisses treffen können:



1. Rechnen Sie mit unvorhergesehenen Wetterkapriolen oder anderen Behinderungen und bauen einen gewissen Puffer in ihren Wanderplan. Stricken Sie Ihre Pläne nicht zu eng und nehmen sich zu viel vor. Starten Sie Ihre Tagesetappe rechtzeitig am Morgen. So sind sie nicht nur für ähnliche Situationen gewappnet, sondern können Ihre Wanderung durch mehr Flexibilität und Spontanität noch mehr genießen.


2. Halten Sie einen Plan B bereit. Informieren Sie sich über mögliche Abbruchoptionen vom Track und tragen stets Ausrüstung für eine Notbehausung mit sich. Willy Millowitsch hat mal gesagt: "Improvisation ist die Kunst, etwas Unbeabsichtigtes gut vorzubereiten."


3. Streichen Sie das Wort „müssen“ in Ihrer Planung. Akzeptieren Sie, dass sie manchmal nur reagieren statt agieren können.


4. Seien Sie sich darüber bewusst, dass Ihre Risikoeinschätzung durch bestimmte Rahmenbedingungen beeinflusst werden kann. Viele Gründe können dazu führen, dass sie andere Entscheidungen treffen als unter normalen Umständen. Vielleicht verpassen Sie Ihre Fähre, wenn Sie den Fluss nicht durchqueren. Oder Sie sind schon mehrere Tage unterwegs und fiebern einem Highlight entgegen. Oder Sie wollen in der Gruppe nicht als Bremse dastehen. Oder, oder, oder … . Nichts ist aber so viel wert wie Ihre Gesundheit und Ihr Leben. Versuchen Sie also, externe Einflussfaktoren bei der Beurteilung der Lage so weit wie möglich auszublenden. Haben Sie den Mut wenn nötig umzukehren.


5. Nehmen Sie sich (falls möglich) die Zeit zur Lageeinschätzung. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und alle Pro und Contra gegeneinander abzuwägen. Panik und unüberlegtes Handeln sind schlechte Ratgeber.


6. Drängen Sie keine Mitglieder Ihrer Wandergruppe. Eine Gruppe ist immer so stark wie das schwächste Glied - nichts Neues an sich. Machogehabe ist hier fehl am Platz. Respektieren Sie, dass Menschen Risiken unterschiedlich bewerten.


7. Vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Ihr Bauchgefühl wird Ihnen ziemlich gut verraten, wie Sie sich verhalten sollten. Verwechseln Sie jedoch nicht Gefahrenzone mit dem Verlassen Ihrer Wohlfühlzone, das lohnt sich nämlich. Zugegeben, der Grat zwischen beiden ist manchmal sehr schmal.

 

 

 

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